Einleitung
Es ist Mittwoch, ich stehe pünktlich (c.t.) am Hauptbahnhof, das Niedersachsenticket in der einen, mein Mobiltelefon in der anderen Hand. Wo bleibt bloß Martin - der Zug fährt doch um 14:15 (s.t) und noch keine
Spur von ihm. Ich steige ein, und tatsächlich ist er gerade im letzten Moment in einen anderen Waggon gesprungen. Welch Glück, der Zug fährt 23 Sekunden Verspätung an.
Heute Morgen habe ich noch ausgeschlafen, denn Schlaf ist ein kostbares Gut, wenn man auf eine KIF fährt - und auf der KoMa/KIF erst recht (die Mathematiker haben einen höheren Frauenanteil ^^). Dieses Jahr ist es mein erstes Mal, und obwohl ich schon viel davon gehört habe bin ich sehr gespannt, was da wohl auf mich zukommt.
Anreise und Anfangsplenum
Wir fahren Niedersachsenticket, dementsprechend dauert es, und Martin und ich kommen ins Gespräch. Erwartungen werden ausgetauscht, Studienpolitik, die eigene Diplomarbeit. In Hannover steigen wir mit den
Informatikern aus Bremen in die gleiche Regionalbahn. Zufall oder 23?
Wir setzen uns zufammen, ein paar der Leute kennt man von vergangenen KIFs, wie
Inge oder
Beta. Ihr Bierkasten ist entsprechend der Fahrzeit gefüllt - in 35 Minuten sind wir in Paderborn.
In Paderborn übernimmt
Beta die Führung, die bereits mal in Paderborn war. In Haus E angekommen herrscht Chaos, wir sind zu spät und dementsprechend dauert es, weil nur ein Orga die Anmeldung macht. Martin und ich verzichten auf unser Namensschild. Außerdem wollen wir nicht warten, deswegen bringen wir unsere Sachen nicht zur Turnhalle, wo wir schlafen werden, sondern eilen zum Hörsaal C1, in dem die KoMatiker und
Kiffels bereits der Begrüßung durch einen Univerteter lauschen. Weiter geht es mit Formalia: Es wird die Kasse des Vertrauens erklärt (Strich für Bier machen, am Ende gesammelt bezahlen), der Zeitplan, und
vor allem das Mörderspiel. Schließlich verlassen die KoMatiker den Raum, und wir sind unter uns.
Es folgen
Berichte der Fachschaften. Viele andere haben mit CMS (
Campus Management System) zu kämpfen, weitere beklagen einbrechende Studienanfängerzahlen und Studiengebühren. In manchen Studienorten gibt es kaum Fachschaftbeteiligung, und die Fachschaftsräte schrumpfen - wir z.B. Berlin, die die nächste KoMa/KIF im nächsten Herbst ausrichten wollen. Doch die Berichte sind nicht nur negativ, einige berichten erfreut und zufrieden auf die gerade überstandenen O-Phasen, wie das in Süddeutschland heißt (siehe auch: OE). Es wird über neue Professoren_innen und Akkreditierung erzählt, die Einführung und Nichteinführung des Bachelors an verschiedenen Orten, und die Erst-Kiffels werden mit Applaus willkommengeheißen.
Arbeitskreise, Arbeitskringel
Schließlich geht es zu den AKs. Das Mikro hat inzwischen keinen Strom mehr, und es ist halb zehn. Trotzdem bleibt das Plenum spannend - wenngleich ein Teil der Mannschaft abgehauen ist, weil irgendein Trottel zeitgleich eine Sneak-Preview abhält (siehe AK Sneak).
Die AKs sind diese KIF bunt gemischt. Jeder, der Lust hat, mit Leuten über ein bestimmtes Thema zu reden, zu diskutieren, einfach nur Meinungen auszutauschen oder sich Tipps zu holen, kann sein Thema im
Anfangsplenum ankündigen oder später einen Spontan-AK bilden. Die Menge der AKs bietet eine ziemliche hohe Bandbreite, so dass für jeden etwas dabei ist. Beginnend mit direkt Fachschaften betreffende
Themen wie:
- Aufbau einer Fachschaft
- Leistungspunkte für Fachschaftsarbeit
- Campus Management Systeme
über "politischere" Themen wie
- Free Culture
- Warum Datenschutz?
- Präsident Obama
und einfache Freizeitveranstaltungen wie
- Grüne Katzen nähen
- Werwolf spielen
- Schwimmen gehen, Stadttouren machen, Kneipentour
und noch spaßigere Kreise für
und alternative Themen:
- AK Schlaf
- Utopien, Dystopien, und wie es dazu kommen konnte
- Lebensentwürfe und Werte
- Toys'r'Us spielzeug kaufen und lustige Maschinen bauen
Die Arbeitskreise, die Interesse geweckt haben, werden auf ein Plakat geschrieben und mit Uhrzeit und Raum versehen, so dass man später weiß, wo man hingeht, wenn einem langweilig ist
Und wer weiß, welch spannenden AKs spontan aus der Diskussion noch entstehen mögen. Arrr.
Das Mörderspiel
Ein wichtiger Teil der KoMa/KIF ist das Mörderspiel. Wer mitspielen möchte, trägt sich in eine Liste ein. Jeder, der mitspielt, bekommt ein Opfer zugewiesen (geheim auf Zettel vom Spielleiter). Dieses Opfer muss er umbringen und bekommt dann auch dessen Auftrag, so dass man weitermorden kann. Ein Mord geschieht aber nicht durch Beleidigungsfechten, sondern, wenn man seinem Opfer ohne "Zeugen" etwas gibt, z.B. ein Bier. Deswegen ist oberste Regel auf einer KIF, auf die Frage "Willst Du ein Bier" mit "Stell es dahin." zu antworten. Wer einfach Dinge annimmt, verliert sehr schnell.
Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Opfer zu finden, ohne selber draufzugehen. Zum Glück spielt man zwei Runden mit, die parallel laufen:
Es gibt eine reine KIF-Runde, eine KoMa-Runde und die Vereinigungsmenge der beiden (KoMa/KIF-Runde).
Doch nicht nur beim Annehmen ist Vorsicht geboten. Hat jemand eine grüne Katze auf der Schulter, und die nimmst sie, um sie anzugucken, dann kannst Du gerade einen Selbstmord begangen haben! Wenn Du Pech hast und er der Mörder war. Da hilft nur "Schauet her, ich nehme diese grüne Katze von xxx Schulter", damit es - dank Zeugen keinen Toten gibt.
Grüne Katzen und Werwölfe
Nach dem Plenum geht es zurück in Haus E, Martin und ich melden uns an und erhalten unsere Mordaufträge. Es ist bereits nach Mitternacht, also hole ich mir schnell einen Kaffee und ein Bier und ein Brötchen vom ewigen Frühstück. An einem Tisch sitzt eine Gruppe und näht
grüne Katzen und andere
katzengrüne Tiere. Ich setze mich zu den schönsten Mädchen und mache mit. Es soll ja welche geben, deren Wahl wegen der hohen Männerquote auf ein Informatik- oder Mathestudium fällt. Für mich soll es erstmal auch ein Wal werden, der sieht am einfachsten aus. Lange halte ich es aber nicht aus, Nadeln pieksen und außerdem ist am Tisch schon einer gestorben, als wir alle gerade nicht hingeschaut haben - man schaut schließlich die ganze Zeit auf seine Nadel.
Ich höre, dass es eine Werwolfgruppe geben soll. Ich nehme mir ein Bier und gehe hoch. Im ersten Stock sitzen 20 Leute im Stuhlkreis. Werwolf kenn hoffentlich jeder - wenn nicht:
Anleitung.
Beta ist jede Runde, an die ich mich erinnere, Werwolf. Schließlich ist es ca. 4 Uhr morgens, Zeit ins Bett zu gehen. Zur Turnhalle finde ich jetzt eh nicht mehr, also bleibt der AK Werwolf hier im Seminarraum. "Marius, das ist Dein Rucksack, oder?" - "Danke." - "Du bist tot." Na dann gute Nacht.
Das ewige Frühstück
Etwas unsanft wache ich auf. Der Schlaf war gut, das ist oft so bei Bier. Stuhlkratzen auf dem Boden, laut und nervig. Im Nachbarraum beginnt ein Seminar. Es bleibt laut, anscheinend haben die
Seminarteilnehmer Spaß. Und dann geht die Tür auf und ein Prof bittet um den Raum. Zwar hatte man uns den Raum bis um 11 zugesichert, aber halb zehn muss auch reichen, also schnell Sachen gepackt und weg, ins Erdgeschoss. Zähne putzen und Kaffee trinken. Zum Glück habe ich meinen
eigenen Becher. An einer Seite des Raums steht eine Buffet mit Aufstrich und Obst, und einem riesigen Kaffeetopf, daneben 4 Kisten mit frischen Brötchen. Rechts zwei Kühlschränke mit Milch und Bier. So soll es sein. Das ewige Frühstück ist Tradition der KIF, und echt mal dringend
notwendig. Wenn man Nachts um 5 Uhr noch was essen will, gibt es Suppe und frische Brötchen. Das ist echt entspannt. Nachdem ich also zu mir gekommen bin ist es elf, und ich setze mich zum
Katzentisch und schaue mir das Getier an. Hmm, irgendwie ist mein angefangener Wal weg. Ach egal, ich mache einen neuen, schließlich war der erste nicht so weit. Hat jemand einen Stift, mit dem man auf Stoff
malen kann? Julia springt auf und holt einen Bleistift. "Damit kann man auf Stoff machen?" - "Nein. Du bist tot." Ha. Ha. Ha.
So, auf grüne Katzen habe ich jetzt keine Lust mehr. Ich nehme mir meinen dritten Kaffee und esse noch ein Brötchen. Dann nehme ich mir einen Kaffee gehe ich durch die Räume, auf der Suche nach einem
interessanten AK.
Free Culture & Lebensentwürfe
In Raum E 5 333 treffe ich auf ein paar Leute, die verschiedenen AKs angehören, und wegen der langen Schlafenszeit noch nicht genug Leute beisammen hatten. Jetzt aber soll es losgehen.
Der AK Free Culture ist auf initiative eines Bremer Informatikers zusammengekommen, um über die Situation von Wissen und Verfügbarkeit von kulturellen Errungenschaften zu diskutieren. Besonders hervorzuheben ist dabei die Situation an den Unis. So kommt aus den USA das Free Culture
Projekt, zu dem sich in Deutschland bereits Interessengruppen in Bremen und Bamberg gegründet haben. "Free Culture" Gruppen setzen sich für eine uneingeschraenkte, partizipatorische und nicht diskrimierbare Kultur ein.
Besondere Kritik trifft z.B. der Umgang mit Skripten, dass diese nicht der Weltöffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, obwohl ein Professor und eine Uni durchaus ein Interesse an der globalen
Verfügbarkeit von Fachwissen haben sollten. Aber auch wissenschaftliche Grundlagenforschung wird immer wieder unter Verchluss gehalten, weil sich einige Wenige einen wirtschaftlichen oder Ansehens-Gewinn davon
versprechen.
Wer sich dafür interessiert, sollte auch die
Resolution lesen.
Danach treffe ich auf "Lebensentwürfe". Ein sehr alternativer AK, jemand spricht über sein Migräne/Kopfschmerzen, Esoterik, und über die Abhängigkeit von Aussenbestimmung. Die Meinung von Freunden. Und Fremden. Und der Erwartung, dass andere Erwartungen an einen stellen,
auch wenn das gar nicht stimmt.
Es wird Mittagspause und wir gehen in die Mensa. Bei der Anmeldung hatten wir Essensmarken bekommen, die anscheinend unbegrenzt Power hatten. Jedenfalls wog mein Salat mehr als 160g und es gab keine
Probleme. Ein Freigetränk noch dazu.
Nachmittags gibt es dann erstmal AK Schlaf. Und da bringe ich meine Sachen erstmal nach E 5 327, da ist auch Teppich. Sehr schön. Zwei Stunden geratzt, und dann geweckt von AK Lebensentwürfe. Ich schau mir
das an, aber da das einzige, was passiert, eine gutanssehende blonde Kunststudentin ist, die man schminken und betüdeln darf, gehe ich uninteressierter Weise runter und kümmere mich um das ewige Frühstück.
Heute Abend werde ich wieder hierherkommen, schließlich liegt hier mein Schlafsack.
Power Point Karaoke
Am Freitag Abend findet im Hörsaal das Zwischenplenum statt. Später angereiste Fachschaften können noch von ihrer Uni berichten, aber vorallem soll die bisherige Arbeit der AKs vorgestellt werden, und die
Zeit des Abschlussplenums zu schonen, weil hier schon Diskussionen mit
allen stattfinden können und die weitere Arbeitsrichtung gelenkt werden kann.
Das dauert aber nur zwei Stunden, so dass jetzt der Grill angeschmissen werden kann. Dabei: Die KoMatiker hatten gewettet, dass sie zwar nach uns (erst um 8 Uhr) anfangen würden, aber trotzdem vor uns fertig wären!
Das dürfen wir nicht auf uns sitzen lassen und der Raus-Weg führt uns durch C2, den Hörsaal der KoMatiker, denen wir eine Polonese mit vielen Arrrr-Rufen (
Piraten machen das) vorführen. Jetzt aber los, grillen.
Einige spielen Munchkin mit Freibeuter-Erweitung, andere nähen grüne Katzen. Andere sitzen am Laptop und suchen Piratenkampfsprüche fürs Beleidigungsfechten heraus. Es gibt lecker Fleisch, Arrrr!! Mein Schwert wird Dich durchbohren wie einen Schaschlik! Mit meinem Taschentuch werde
ich Dein Blut aufwischen! Arrr!
Endlich findet im Hörsaal "Power Point Karaoke" statt. Muelli ist auch angekommen, und wir holen einen Kasten Bier, während Stoney dran ist, denn hier ist keins. Auf der KIF ist Power Point Karaoke noch relativ
jung, und als wir wiederkommen, redet er immernoch. Es geht weiter mit Vorträgen über Schokolade, Bismarck, den Papst und diverse andere Trivia. Danach suche ich noch eine Werwolfrunde, finde aber keine. Na gut, beschäftige ich mit meiner grünen Katze. Zu spät komme ich dann aber doch noch ins Bett.
Abschlussplenum und Möhrenkampf
Das Abschlussplenum beginnt am Sonnabend, um 19 Uhr. Um 19:20 Uhr fangen wir an. Es gibt keine Fachschaften mehr, die über ihre Uni breichten möchten, deswegen beginnen wir mit den Berichten aus den AKs. Jeder Arbeitskreis kommt nach vorne, und stellt vor, was er so gemacht hat, und welche Ergebnisse er erzielt hat. So werden auch alle grünen Katzen nach Vorne geworfen und photographiert. Der
"Weltrevolution jetzt!" AK hat es leider zeitlich nicht geschafft, die Weltrevolution unzusetzen, verschiebt dies aber auf die nächste KIF und sucht noch nach einem geeigneten Versionierungstool und benötigt mehr
grüne Katzen.
Der AARRRR- K bereitet zum nächsten Mal eine Piratenkapitänswahl vor:
Dieses Jahr hat Dave gewonnen - Arrrr!!, und AK Toys'R'Us hat ein Kindersaxophon mit Gamepad kombiniert - man kann jetzt Saxophon-Hero spielen und Dave ist Sax-Hero.
Nach der zweiten Pause holen wir erneut Bier. Die AKs haben alle berichtet. Weiter werden die folgenden KIFs auf willentliche Fachschaften verteilt. Zudem werden Vertreter für Gremien wie den
studentischen Akkreditierungspool gewählt. Endlich geht es los mit den Resolutionen. Dabei ist es erst Mitternacht.
Inzwischen dämmert es - mir. Nicht draußen, aber auf der Liste, wann das Abschlußplenum ende, habe ich 1:24 eingetragen. Utopisch inzwischen... :/
Aber das Plenum verläuft doch wie erwartet: Diskussionen und Vorwürfe, Abstimmungen und Gegenreden, Bier, Kaffee, Katzennähen. Ich ärgere mich, dass ich vorher nichts neues mehr angefangen habe - das würde jetzt bestimmt fertig werden.
Die Resolutionen werden heiß diskutiert, umstrukturiert, nochmal diskutiert, verworfen oder verabschiedet.
Die KoMatiker kommen herein, ihr Plenum ist beendet und sie bilden eine Polonese durch den Vorlesungssaal und zeigen uns den Schweigefuchs. Es dauert. Und dauert. Es wird weiterdiskutiert. Wir machen eine Pause.
Es wird weiterdiskutiert.
Die Resolutionen sind
auf der Resolutionsseite im KIF Wiki zu finden. Eine letzte Pause, und das Ende der Sitzung naht. Wir diskutieren ein wenig über die Redeleitung, dann geht es mit leeren Bierkästen und Flaschen bewaffnet zurück, die Hinweisschilder von der Wand reißend. Die KIF ist vorbei. Martin, Muelli und ich packen unsere Sachen und gehen. Noch ein wenig geredet, verabschiedet, Rucksäcke fertig gemacht, Bier eingesteckt,
Kaffee geschlürft. "Kommst Du mit, Sachen aus der Turnhalle holen?" - "Welche Turnhalle?" Taxi gerufen, in die Bahn gestiegen. Es ist 7:21 Uhr, der RE rollt an.
Fazit
Wenn ich ehrlich bin, habe ich an diesen Tagen nicht mehr als 1 Flasche Mineralwasser getrunken - abgesehen von Bier und Kaffee. Es ist wirklich eine tolle Erfahrung auf die KIF zu fahren, und ich kann es wirklich jedem empfehlen. Unabhängig davon, wer man ist, ob man sich politisch interessiert, gerne näht, spielt oder sich einfach nur unterhält - auf einer KIF ist meiner Meinung nach für jeden genug dabei, dass man sich nicht zu langweilen braucht.
Ich werde nächstes Mal wieder mitfahren, und bei der Gelegenheit ärgere ich mich, dass ich zum 25C3 nicht mitfahren kann, weil ich dort bestimmt ein paar bekannte Gesichter wiederzutreffen erfreut wäre.
Meine grüne Katze ist ein fetter Wal und ich habe ihn meiner Freundin geschenkt. Er heißt jetzt Rasmus und kommt aus Norwegen. Vielleicht stelle ich ja bald ein Photo von ihm hier ins Blog. Nächstes Jahr nähe ich ihr einen katzengrünen
Tux.
In diesem Sinne, hoffentlich fährst Du nächstes Mal (20. bis 24. Mai 2009) mit nach Dortmund - die Anmeldung ist bereits freigeschaltet.
Ahoi,
Marius